Tilman Rammstedt: Nein./Am besten gar nicht./Durch Lautstärke.

by

Tilman Rammstedt, Pablo Ramos. Foto: Julieta Mortati

Überraschend wäre es, nun ein Resultat zu haben, eine punktgenaue Bilanz, eine Liste mit Unterschieden zwischen der argentinischen Literatur und der deutschen Literatur. Und es wäre wohl keine besonders angenehme Überraschung. Denn die Konferenz wurde immer genau dann interessant, wenn es um die Rollen ging, die uns zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermeintlich zugeschrieben wurden, wenn diese Rollen hinterfragt wurden. Wie man mit Erwartungen umgeht, mit Repräsentation (eines Landes, eines Stils, eines Themas). Muss man als zeitgenössischer argentinischer Autor über die Diktatur schreiben? Wie verhält man sich zu dem Attribut „junge Literatur“? Wie gelingt es überhaupt seine eigene Poetologie verallgemeinern? Und es ging gar nicht so sehr um die Antworten auf diese Fragen (Nein./Am besten gar nicht./ Durch Lautstärke.), sondern um das Stellen der Fragen. Keiner hier war an Antworten interessiert, weil man Antworten nur selten trauen sollte – dann wurde es angenehm. Und noch angenehmer wurde es, wenn man die Simultanübersetzungskopfhörer abstreifen konnte, wenn man in kleinen Gruppen spazieren ging, Wein trank und endlich kein Repräsentant mehr war, sondern sich als Fremde gegenübersaß, und das Fremde langsam wich mit jedem Satz und jedem Schluck und keine Rolle mehr spielen musste.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , ,


%d Bloggern gefällt das: