Juliane Liebert: nein lassen Sie, ich behalte lieber die illusion

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Felix Bruzzone, Foto: Juliane Liebert

wir sind also spazierengegangen, zweimal in unterschiedlicher besetzung, es war glücklicherweise warm, sogar sonnig. ich hatte keine ahnung, was wo und vor allem sehenswert ist in dieser stadt: die siegessäule war in reparatur, die einzige verfügbare kirche ziemlich ramponiert. überall lagen hipster auf den wiesen, wegen der wärme aus ihren löchern gekrochen, beim hackeschen markt viele dünne mädchen in dünnen kleidern. wir stiegen über sie drüber, sprachen nur bedingt von literatur, ich verwechselte die ehemänner von der ersten argentinierin miteinander, der andere literat war eigentlich poolputzer. stellte ich mir aufregend vor, poolputzer in buenos aires… große spiegelnde flächen. chlor an den fingern. aber ist wahrscheinlich garnicht aufregend. das tacheles stank nach urin, es gab eine übersetzerin, dann eis. auf dem rückweg  in der ubahn spricht mich ein mann an: „lassen Sie mich raten. Sie sind 1,76 groß?“ – „wow, stimmt.“ – „soll ich Ihnen Ihr sternzeichen sagen? wieviel geld Sie in der tasche haben? auf den cent genau?“ – „ja.“ – „das wissen Sie selbst nicht, oder?“ – „richtig. aber das sternzeichen.“ – „Sie sind…“ – „nein lassen Sie, ich behalte lieber die illusion.“ dann waren wir am mehringdamm, mussten aussteigen und behielten sie also.

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