Julia Zange: Pluralistische Ausdifferenzierung

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Julia ZangeJulia: „Anni, was meinen die wohl mit pluralistischer Differenzierung?“

Anni: „Wenn man vieles gut findet, aber das kritisch betrachtet.“

Riskante Freiheiten, Ulrich Beck. Klar. Durchpluralisierung von Gesellschaft, Kunst, Literatur. Eine unendliche Kernspaltung ist angestoßen, der kleinste Teil scheint immer noch nicht erreicht. Man kann das Lager noch mal teilen. Es scheint unmöglich eine Gruppe zu bilden. Berlin 2010. Immer feinere Unterschiede, die aber immer weniger bedeuten.

Modische Distinktion funktioniert kaum noch. H&M frisst die Trends von der Straße so schnell und Kunst ist längst implementiert, das Marketing besteht nicht mehr aus weltfremden Kalkulatoren, sondern es hat gelernt sich just in time in die Trends einzumischen. Im Internet sind wir unser eigener Gatekeeper. Also letztendlich mit allem verbunden, aber allein.

Resultat: 1. die unendliche Kombination und Zweitverwertung von kulturellem Material

(Helene Hegemann: „Berlin is here to mix everything with everything“)

2. die individuelle Nische

Genau das erzeugt die Sehnsucht nach Kollektivem, die man eben auch in Berlin 2010 feststellen kann. Viele Menschen um mich herum haben einen Hang zur Uniform, Rudelbildung und bilden im Geist ihr persönliches Kollektiv, was dann aber im Menschenexperiment meistens nicht funktioniert. Es sei denn es handelt sich um ein PROJEKT mit einem festgelegten ZIEL. Aber ein Kollektiv in Form von SYMPOESIE? Eine Gruppe 47 heute? Die irgendjemand ernst nehmen würde? Und nicht als Spiel betrachtet? Der Druck ist nicht groß genug, also schwimmen wir, treffen uns und verschwinden wieder.

„Ich habe noch niemals versucht jemandem meine Poetik darzulegen. Ich hatte noch kein Gespräch über meine Literatur. Ich weiß wirklich nicht mit wem ich reden soll.“

Das einzige was trotz aller Pluralisierung der Ästhetik, der Weltsichten, zu funktionieren scheint, ist die menschliche Story. Auch wenn man die Existenz Patchwork nennt und der Glaube an Identität veraltet ist, überlebt der Kontrast, der Auf- und Abstieg, der Wendepunkt, die Entwicklung, selbst wenn sie sich verzweigt, gar  nicht linear. Hell- und Dunkel gibt es auch am Bildschirm. Wir können nur überleben, weil es da ein Heilsversprechen in uns gibt.

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