Posts Tagged ‘Moral’

Gespräche der Konferenz, Tag 1

Oktober 7, 2010

Tag 1

25. März: Es ist der erste Tag des Jahres, an dem es in Berlin 20 Grad hat. Auch in Deutschland scheint die Sonne, sie brennt und kann sogar den würdevollen und weiten Himmel zum Strahlen bringen. Alle kommen etwas zu spät in die Lettrétage, außer Tilman Rammstedt, der war 10 Minuten früher da. Die Schriftsteller lauschen aufmerksam der erklärten Gebrauchsanleitung für die Kopfhörer der Simultanübersetzung, die, sobald sie wie Stethoskope in den Ohren getragen werden, das Treffen in ein Symposium von Medizinern verwandeln. Die Deutschen brauchten Ruhe und die Argentinier mussten diese mit Wörtern füllen.

Achtung: Was man von hier ab lesen kann ist eine Annäherung an das, was in der Konferenz gesagt wurde, um den Sinn jeder Wortmeldung zu erfassen. Es ist keine wörtliche Mitschrift.

 

Foto: Timo Berger

 

Tom Bresemann: Nachdem wir nun vorgestern mit der Eröffnungsnacht den repräsentativen Teil hinter uns gebracht haben, können wir uns nun darauf konzentrieren miteinander zu reden.

Wir erwarten hier nicht von euch, dass ihr schöne Sätze formuliert, wie ihr das auf der Leipziger Buchmesse getan habt, sondern wir wollen, dass ihr euch kennen lernt, dass ihr Themen, die euch interessieren, zur Diskussion stellt, wie zum Beispiel das Plagiat.

Wie läuft das ab in Argentinien und wie in Deutschland?

Gibt es „die Deutschen“ und „die Argentinier“ überhaupt?

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Segundo día del diálogo entre escritores argentinos y alemanes contemporáneos

Mai 12, 2010

Juliane Liebert, Pablo Ramos, Laura Alcoba, Julia Zange, Lola Arias, Nora Bossong, Daniel Falb, Tilman Rammstedt, Sergio Raimondi (von li. nach re.) Foto: Timo Berger

La poesía entre la resistencia y el mercado

Laura Alcoba: Entiendo la poesía como un espacio de resistencia. Tanto en Argentina como en Europa, la poesía tiene una gran dificultad para encontrar apoyo comercial y seguir escribiendo, seguir creyendo en poesía es una forma de resistir. Sergio Raimondi dijo que el lectorado de poesía está constituído por los que lo practican, y eso tal vez sea algo de lo que la poesía sufre. ¿Cómo salir de esa estrechez? Sergio, ¿te parece necesario? Yo leo poesía y cuando lo hago tengo la sensación de estar haciendo algo subversivo.

Sergio Raimondi: En Argentina hay un circuito bastante intenso de lecturas. Pero no hay que pensar en el mercado como un ser monstruoso que nos va a quitar no sé qué, no estoy tan seguro de que haya que pensarlo en términos negativos, porque sino cultivar la poesía pareciera que fuera de secta anticapitalista y es más una cosa ideal que concreta. La poesía tiene lectores extremadamente literarios. A mí me interesan los lectores no formados literariamente y la posibilidad de abrir los temas de la poesía a estos lectores me parece que es una tarea que se tiene que encargar el que escribe.

Tom Bresemann: En Alemania existe una Mailing de Poesía que le llega a más de quinze mil lectores diarios. ¡Y estoy seguro que esos cinco mil no son todos poetas! (more…)

Tag 1, 25. März in der Lettrétage

März 31, 2010

Wann ist Kopieren erlaubt?

Am Morgen des ersten Konferenztages diskutieren die fünf argentinischen und fünf deutschen Schriftsteller das Verhältnis von Original und Plagiat, von Inspiration, Authentizität und Fiktion. Der aktuelle Fall Hegemann wird natürlich auch angesprochen. Tilman Rammstedt meint, es sei ja durchaus ein Vorteil, dass die Zitate aus Literatur, Film und Kunst beim Leser als bekannt vorausgesetzt werden können, – dass also Autor und Leser gleichermaßen einer vernetzten, globalen Welt angehören. Pablo Ramos hält dagegen: „Gibt es dann überhaupt noch ethisch-moralische Regeln beim Schreiben?“, fragte er sich. Und antwortete sich selbst: Kopieren sei moralischer Schwachsinn. Auch Talent schütze davor nicht. Argentinier scheinen in dieser Hinsicht „moralischer“ zu sein.

Lola Arias, Nora Bossong, Juliane Liebert, Daniel Falb. Foto: Timo Berger

Ist aber Authentizität nicht vor allem ein Mythos? Und wer ist dafür verantwortlich? Nora Bossong ist überzeugt: „Authentizität scheint eine unglaubliche Faszination auf den Leser, den Zuhörer auszuüben“. Das habe sie bei vielen Lesungen so gespürt. Für ihren Roman „Webers Protokoll“, einen historischen Roman, der in den 1940er und 1950er Jahren spielt, hat sie viel recherchiert, um dann aus der Distanz das Material einzuarbeiten.

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